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Integration wurde in der BRD ja schon immer groß geschrieben. Denn wie
wir alle wissen, ist die BRD ein typisches Einwanderungsland, und daher
ist das Ziel der Integration die gleichberechtigte Teilhabe der Einwanderer
in allen gesellschaftlichen Bereichen. Da Integration natürlich nur dann
funktioniert, wenn alle zu integrierenden mitmachen wollen, muss man die
schwarzen Schafe, von denen man schon immer dachte, dass ihnen unsere
so großartige Leitkultur suspekt ist, vorher aussortieren - und dabei
ganze Religionsgruppen unter Generalverdacht stellen. Wie man das am besten
macht, zeigt die baden-württembergische Landesregierung gerade besonders
eindrucksvoll.
Einbürgerungspolitik ist Ländersache. Das bedeutet, dass jedes Bundesland
nach seinem eigenen Ermessen entscheiden kann, wer die deutsche Staatsangehörigkeit
bekommt und wer nicht. Um das Problem mit den schwarzen Schafen zu lösen,
führt Baden-Württemberg seit Anfang des Jahres mit BewerberInnen um die
deutsche Staatsangehörigkeit Gespräche nach einem besonderen Leitfaden
durch, kurz "Gesinnungstest" genannt. Dieser Gesprächsleitfaden ist speziell
für die 57 Staaten konzipiert, die der Islamischen Konferenz angehören.
Daher gilt natürlich die Aufmerksamkeit der SachbearbeiterInnen der Einbürgerungsbehörde
zunächst einmal muslimischen BewerberInnen, deren Bekenntnis zur freiheitlich
demokratischen Grundordnung zweifelhaft erscheint. Auf dem Prüfstand sind
dann unter anderem Fragen zur Einstellung zum Schutz der Menschenwürde,
zur Homosexualität und zur Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie
zur Gewalt in der Ehe. Die Antworten können unter Umständen zur Verweigerung
der Einbürgerung führen, oder sogar Jahre später noch zur Rücknahme der
Einbürgerung, falls die Antworten doch nur eine Täuschung sind - egal,
ob die Bewerberin oder der Bewerber danach staatenlos ist oder nicht.
Abgesehen davon, dass man mit Plattheiten à la "Sie erfahren, dass Leute
aus Ihrer Nachbarschaft oder aus Ihrem Freundeskreis einen terroristischen
Anschlag begangen haben oder planen - wie verhalten Sie sich?" eh nichts
Sinnvolles erfahren wird, scheint dieses Vorgehen nicht mit rechtsstaatlichen
Grundätzen vereinbar zu sein. Vielmehr werden von Staats wegen Vorurteile
geschürt und ganze Religionsgruppen skandalös diskriminiert. Es drängt
sich die Frage auf, wie viel Prozent der "Deutschen" die Fragen zu Homosexualität
und Gleichberechtigung "falsch" beantworten würden. Wenn die dann alle
ausgebürgert werden, wird es wahrscheinlich schnell einsam in Baden-Württemberg.
Noch ist dieser Test einzigartig in der BRD. Einige Länder haben sich
bisher dagegen ausgesprochen. Doch Hessen hat bereits angekündigt, einen
ähnlichen Leitfaden einzuführen; andere werden vermutlich folgen.
Ulrike Bujak, Hamburg
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